Matcha ist gemahlener Tencha, eine Teesorte, die vor der Ernte beschattet wird, gedämpft und getrocknet wird, bevor man das Blattfleisch auf Steinmühlen zu feinem Pulver verarbeitet. Anders als Sencha oder Gyokuro wird Matcha nicht aufgegossen: Das Pulver wird mit heißem Wasser verrührt und als Suspension getrunken. Man konsumiert das gesamte Blatt, nicht nur den Auszug. Das macht Matcha geschmacklich intensiver, in der Zubereitung präziser, und in der Qualitätsfrage deutlich komplexer als andere Grüntees.
Wie Matcha entsteht — und warum das wichtig ist
Matcha beginnt mit der Schattierung. Drei bis vier Wochen vor der Ernte werden die Teepflanzen mit Netzen abgedeckt, sodass nur noch zehn bis zwanzig Prozent des Tageslichts die Blätter erreicht. Die Pflanze reagiert mit verstärkter Chlorophyllproduktion, die das intensive Grün ergibt, und reduziert gleichzeitig die Umwandlung von L-Theanin in Catechine. Das Ergebnis: mehr Umami, weniger Bitterkeit. Die geernteten Blätter werden gedämpft, von Stängeln und Blattadern befreit und als Tencha gelagert. Erst kurz vor Abfüllung werden sie auf Granitmühlen gemahlen, bei etwa 40 Gramm pro Stunde und Mühle, um die Wärmeentwicklung gering zu halten.
Wichtig: Matcha ist nicht gemahlener Sencha. Sencha wird ohne Schattierung angebaut und mit anderen Methoden verarbeitet. Wer „Matcha“ aus gemahlenem Sencha verkauft, verkauft ein anderes Produkt, das in Farbe, Textur und Geschmack minderwertig ist. Alles über den Unterschied zwischen Tencha-Matcha und industriellen Alternativen erklärt unser Artikel zum Matcha-Pulver und seiner Herstellung.
Verarbeitung im Detail — vom Blatt zum Pulver
Der Weg von der frischen Knospe zum fertigen Pulver umfasst sechs Schritte, von denen jeder das Endprodukt messbar beeinflusst.
Ernte: Ichibancha, die erste Ernte, wird in der Regel zwischen Ende April und Mitte Mai geerntet, abhängig von Region und Witterung. In Uji und Yame wird die Spitzenernte häufig noch von Hand gepflückt, da maschinelle Ernte Stängel und ältere Blätter miterfasst, die das spätere Entrispen aufwändiger machen. In Kagoshima und Nishio dominiert die Maschinenarbeit; die Qualität hängt dann umso mehr von Sortierung und Klassierung ab.
Dämpfen (Mushijō): Unmittelbar nach der Ernte werden die Blätter für 15 bis 20 Sekunden mit Dampf behandelt. Dieser Schritt stoppt die enzymatische Oxidation, dieselbe Reaktion, die schwarzen Tee braun macht. Das Dämpfen ist das entscheidende Merkmal japanischer Grüntees im Vergleich zu chinesischen Sorten, wo Pfannenröstung (Shaqing) eingesetzt wird. Die Hitze des Pfannenfeuers erzeugt Röstaromen; Dampf erhält das reine, pflanzliche Grün. Tencha wäre mit chinesischer Verarbeitung undenkbar.
Trocknen: Nach dem Dämpfen durchlaufen die Blätter einen Bandtrockner bei etwa 180 °C. Anders als beim Sencha werden sie dabei nicht gerollt, sodass Tencha-Blätter flach bleiben. Das Rollen beim Sencha bricht die Zellstruktur auf und verändert die Extraktion; beim Tencha bleibt die Zelle weitgehend intakt, was später für die gleichmäßige Suspension im Matcha relevant ist.
Entrispen (Kūki-bunri): Im getrockneten Zustand werden Stängel (Kuki) und Blattadern (Suji) durch Luftklassierung von den Blattflächen getrennt. Gebläse und Siebe nutzen die unterschiedliche Dichte der Pflanzteile. Was übrig bleibt, das reine Blattfleisch ohne Fasern, ist Tencha. Die Qualität dieser Sortierung bestimmt direkt die Reinheit des späteren Pulvers: Stängelreste würden die Mahlgutfarbe trüben und den Geschmack verholzen.
Reifung: Hochwertiger Tencha wird vor dem Mahlen nicht sofort verarbeitet. Premium-Chargen lagern sechs Monate oder länger in Kühllagerung bei nahe 0 °C. Dieser Schritt ist in der öffentlichen Matcha-Kommunikation kaum bekannt, macht aber einen wahrnehmbaren Unterschied: Die Reifung mildert die anfängliche Schärfe frischer Teeblätter und integriert Aromen, die unmittelbar nach der Ernte noch unverbunden nebeneinanderstehen. Marukyu Koyamaen lagert bestimmte Tencha-Chargen bis zu einem Jahr, bevor sie zu Matcha der Koicha-Klasse verarbeitet werden.
Mahlen: Granitmühlen mahlen den Tencha bei etwa 40 Gramm pro Stunde. Die geringe Geschwindigkeit hat einen physikalischen Grund: Schon bei diesem Tempo erreicht die Reibungswärme zwischen den Steinen etwa 50 °C, und eine schnellere Mühle läuft heißer. Dabei degradiert Chlorophyll, die Farbe kippt von Smaragdgrün ins Gelbliche, und hitzeempfindliche Aromastoffe gehen verloren. Die angestrebte Partikelgröße liegt zwischen 5 und 10 Mikrometern. Unterhalb dieser Grenze suspendiert das Pulver im Wasser; oberhalb bildet es Sediment. Eine industrielle Kugelmühle mahlt zwar schneller, erzeugt aber eine inhomogene Partikelverteilung und damit eine rauere Textur im Mund.
Cultivare — und was sie bedeuten
Der Begriff „Matcha“ sagt nichts über die Teepflanze selbst aus. Wie beim Wein entscheidet die Sorte, das Cultivar, maßgeblich über Farbe, Aroma und Geschmack. Die meisten günstigen Matchas deklarieren keinen Cultivar, weil sie Mischungen sind. Wer Einzelcultivar-Matcha trinkt, lernt etwas, das Blends grundsätzlich verbergen.
Yabukita macht rund zwei Drittel der gesamten japanischen Teeproduktion aus, auch bei Matcha. Die Sorte ist ertragreich, winterhart und produziert zuverlässig anständige Qualität. Für Spitzenmatcha wird sie selten verwendet, weil ihr aromatisches Profil vergleichsweise flach ist. Der größte Teil des preisgünstigen Küchen-Matchas weltweit basiert auf Yabukita.
Okumidori knospt spät im Frühjahr, oft eine bis zwei Wochen nach Yabukita, und profitiert dadurch von einer längeren Schattenperiode. Das Ergebnis ist ein kräftiges, tiefes Grün und ein Umami-Profil, das runder und dichter ist als bei früher knospenden Sorten. Okumidori gilt heute als Standardreferenz für qualitätsbewusste Alltags-Matcha-Produktion, besonders in Kagoshima.
Saemidori ist eine Kreuzung aus Yabukita und Asatsuyu. Der Name bedeutet wörtlich „klares Grün“, und das Versprechen hält das Cultivar: Die Farbe ist leuchtend hellgrün, das Aroma süßlich und florartig, die Textur fein. Saemidori verzeiht beim Anbau weniger als Okumidori und ist damit teurer in der Produktion, aber als Einzelcultivar-Matcha leicht identifizierbar durch seine Helligkeit.
Samidori ist eine deutlich ältere Auslese aus Ujis eigener Landrassen-Population und die traditionelle Tencha-Pflanze der Region Kyoto, und er wird auch in Nishio angebaut, woher unser eigener limitierter Samidori stammt. Im Vergleich zu Yabukita zeigt Samidori weniger Adstringenz und ein weicheres Finish, Eigenschaften, die ihn für den direkten Konsum als Usucha geeignet machen.
Asahi ist einer der ältesten noch angebauten Cultivare in Uji und heute selten. Die Pflanze ist ertragsschwach und empfindlich, produziert aber einen Matcha mit deutlich floralen Noten, die bei anderen Sorten kaum auftreten. Asahi-Matcha ist häufig nur bei auf Uji spezialisierten Häusern erhältlich und gehört zu den Sorten, die, richtig angebaut und gereift, einen Koicha tragen können.
Warum das relevant ist: Wer einen Blend kauft, bezahlt für Konsistenz. Wer Einzelcultivar kauft, bezahlt für Charakter. Für die tägliche Praxis ist ein gut gemachter Blend vollkommen legitim. Wer aber verstehen will, was Matcha geschmacklich leisten kann, kommt an Einzelcultivaren nicht vorbei, denn sie machen Terroir sichtbar, genau wie Rebsorten beim Wein.
Die drei Qualitätsstufen in der Praxis
Die Bezeichnungen „Ceremonial Grade“ und „Culinary Grade“ sind nicht reguliert: Es gibt keinen Standard, keine Behörde und keine Prüfung dahinter. Jeder Hersteller definiert sie selbst. In der Praxis lassen sich trotzdem drei sinnvolle Kategorien unterscheiden:
Koicha-taugliche Qualität ist der Maßstab für ernsthafte Matcha-Praxis. Dieser Matcha wird pur getrunken, oft als dicker Koicha (Verhältnis etwa 4g auf 40ml) oder als Usucha (2g auf 70ml). Farbe: leuchtendes Smaragdgrün. Textur: seidig, fast pudrig. Preis: ab €25–30 für 20g beim renommierten Hersteller. Marukyu Koyamaen gehört zu den Maßstäben dieser Kategorie, mit Sorten wie Soju, Meiju und Oju (欧寿).
Alltags-Matcha für Usucha deckt den täglichen Bedarf ab, ohne bei jedem Aufschlagen das Budget zu belasten. Gute Qualität in dieser Kategorie ist grün, aromatisch und macht keine Kompromisse beim L-Theanin-Gehalt. Preis: €15–25 pro 20–30g. Unser Okumidori und Saemidori fallen in diese Kategorie.
Küchen-Matcha, meist aus späteren Ernten, eignet sich für Lattes, Backen und Rezepte, wo Bitterkeit durch andere Zutaten aufgefangen wird. Er ist blasser in der Farbe, flacher im Aroma und günstiger im Preis. Für puren Genuss ist er ungeeignet, aber als eigenständige Kategorie vollkommen legitim, wenn man weiß, wofür man ihn verwendet.
Was guten Matcha wirklich ausmacht, welche Hersteller glaubwürdig sind und warum der Preis allein kein verlässlicher Indikator ist: Das alles lesen Sie in unserem Artikel zu High Quality Matcha.
Matcha vs. andere Grünteepulver
Nicht jedes grüne Pulver im Regal ist Matcha, auch wenn es so verkauft wird. Die Unterschiede sind keine Frage des Geschmacks, sondern der Botanik und Verarbeitung.
Gemahlener Sencha ist kein Matcha. Sencha wird ungeschattet angebaut, gerollt und hat eine andere Zellstruktur als Tencha. Beim Rollen werden Zellwände aufgebrochen und Inhaltsstoffe umverteilt, und beim Mahlen entsteht ein Pulver mit anderen Suspensionseigenschaften, anderem Chlorophyllgehalt und einem deutlich adstringenteren Profil. In Japan ist die Bezeichnung klar geregelt: Matcha muss aus Tencha bestehen. Im europäischen Markt ist diese Kontrolle weniger stringent.
Chinesischer „Matcha“ ist eine andere Kategorie. In China gibt es eine lange Tradition des Pulvertees, aber die Grundlage ist fast immer unbeschatteter oder anders verarbeiteter Grüntee, häufig gemahlener Longjing oder Biluochun. Das Ergebnis ist gelblich-grün statt smaragdfarben, bitterer im Geschmack und weniger reich an L-Theanin. Das macht es nicht minderwertig für alle Zwecke, denn für Matcha-Latte-Rezepte mit viel Süße mag es funktionieren, aber es ist kein Äquivalent zu japanischem Tencha-Matcha.
Küchen-Matcha ist keine Beleidigung. Ein hochwertiger Küchen-Matcha aus echter Tencha-Basis, nur mit etwas mehr Stängelanteil oder zweitem Aufzug, ist ein legitimes Produkt. Das Problem ist nicht die Kategorie, sondern die Intransparenz: Viele als „Ceremonial Grade“ vermarkteten Produkte sind schlechter als ein ehrlich deklarierter Küchen-Matcha eines guten Hauses.
Regionen auf einen Blick
Uji (Kyoto): Die historische Mitte der japanischen Matcha-Produktion. Seit dem 16. Jahrhundert werden hier Teepflanzen kultiviert, und viele der bekanntesten Hersteller, darunter Marukyu Koyamaen, sind in der Region verwurzelt. Die feuchten Täler des Uji-Flusses, kalte Nächte und jahrzehntelange Züchtungsarbeit an Cultivaren wie Gokou und Samidori sorgen für Komplexität im Geschmack, die andere Regionen selten erreichen.
Nishio (Aichi): Die bekannteste Tencha-Stadt in Aichi, der viertgrößten Tencha-Präfektur nach Kagoshima, Kyoto und Shizuoka. 2024 lieferte die Stadt 334 Tonnen Tencha aus, etwa sechs Prozent der nationalen Ernte. Die Qualität reicht von industrieller Massenproduktion bis zu soliden Alltagssorten. Als Herkunft auf einer Verpackung allein sagt Nishio wenig aus, denn Hersteller und Produktionsmethode sind entscheidend.
Yame (Fukuoka): 25 Jahre in Folge erfolgreichstes Anbaugebiet beim Nihoncha Award, dem wichtigsten japanischen Teequalitätswettbewerb, sowohl für Gyokuro als auch für Matcha. Die Hochlagen, kühle Luft und die traditionelle Schattierung mit Wara-Strohmatten erzeugen Tees mit außergewöhnlicher Tiefe. Yame ist die Region, die viele Experten nennen, wenn Uji zu erwartbar wird.
Kagoshima: Die jüngste der großen Matcha-Regionen, aber mit wachsendem Gewicht. Warmes Klima, mechanische Ernte und eine Offenheit für neue Cultivare (Okumidori, Saemidori) ermöglichen hohe Produktionsmengen bei überraschend guter Qualität. Für Everyday-Matcha mit Charakter ist Kagoshima heute die erste Adresse, und unser eigener Sourcing-Fokus liegt hier.
Wie Sie anfangen — Usucha und Koicha
Usucha ist der Standardeinstieg. Erhitzen Sie Wasser auf 80 °C (nicht aufkochen, dann abkühlen lassen). Sieben Sie 2g Matcha durch ein feines Metallsieb direkt in die Schale, was Klumpen verhindert. Gießen Sie 70ml Wasser hinzu. Führen Sie den Bambusbesen (Chasen) in schneller W-Bewegung über die Oberfläche, bis sich ein feiner, gleichmäßiger Schaum bildet. Die Bewegung kommt aus dem Handgelenk, nicht aus dem Arm, und bleibt nahe der Oberfläche, denn zu tiefes Rühren zerstört den Schaum. Die ganze Vorbereitung dauert zwei Minuten. Alles, was darüber hinausgeht (Tee-Schale wärmen, Besen einweichen, Stille), ist Praxis, keine Pflicht.
Koicha ist die andere Form: dichter, langsamer, ursprünglicher. Das Verhältnis beträgt etwa 4g Matcha auf 40ml Wasser bei 80 °C. Koicha wird nicht aufgeschlagen: Man knetet das Pulver mit dem Besen in das Wasser, in langsamen, kreisenden Bewegungen nahe am Schalenboden, bis eine glatte, sirupartige Paste entsteht. Kein Schaum, kein Tempo. Das Ergebnis ist eine dichte, dunkelgrüne Flüssigkeit von fast cremiger Konsistenz. Koicha verzeiht keine mittelmäßige Qualität, denn jeder Mangel im Tencha zeigt sich ungefiltert. Wer Koicha trinken will, braucht Matcha der obersten Kategorie; der Versuch mit Küchen-Matcha scheitert an Bitterkeit.
Wer Matcha täglich in den Alltag integrieren möchte, findet in unserem Artikel zu Matcha als tägliche Praxis konkrete Tipps zu Ausrüstung, Ritualen und häufigen Fehlern, darunter die Frage, ob Milch, Oatmilk oder Cold Brew Matcha ihre eigene Qualitätsklasse verdienen.
Was Sie bei UNEARTHED finden
Unser Matcha-Sortiment stammt aus zwei Quellen: Marukyu Koyamaen in Uji und einem nischigen Direktbezug aus Kagoshima.
Soju ist der Einstieg in die Marukyu-Linie: hell, süß, mit leichtem Umami. Zugänglich für Neueinsteiger, solide für den täglichen Usucha.
Meiju ist runder, tiefer und komplexer. Der klassische Alltags-Matcha für alle, die wissen, was sie tun. Unsere meistverkaufte Sorte.
Oju (欧寿) wurde speziell für den europäischen Markt entwickelt, mit einer Ausgewogenheit zwischen Umami und Frische, die sich besonders gut für Usucha ohne Süßung eignet.
Okumidori und Saemidori aus Kagoshima sind Single-Cultivar-Matcha von unserem Direktbezugspartner. Okumidori ist kräftiger, mit einer herzhaften Umami-Basis; Saemidori heller und floraler. Beide eignen sich für Usucha und als Grundlage für Speciality-Matcha-Zubereitung.
Alle Sorten sind im Matcha-Sortiment verfügbar. Wer unsicher ist, womit er anfangen soll: Der Meiju ist selten eine Enttäuschung.

