Takuya Kanamoto

Takuya Kanamotos Keramiken verkörpern die Lebendigkeit des Tons in Bewegung. In der reichen Oribe-Tradition verwurzelt, leben seine Arbeiten von moosigen Grüntönen, strukturierten Faltungen und elementarer Energie. Jedes Stück ist eine stille Kraft – geschnitten, glasiert und gebrannt in Nara, Japan.

About Takuya Kanamoto (Nara, Japan)

Auf meiner Reise durch Japan im Frühjahr 2023 machte ich mich auf die Suche nach einem Töpfer, der jenseits der typischen, auf Teekanne ausgerichteten Welt des Gong Fu Cha arbeitet. Fasziniert von der tiefen visuellen Komplexität vonOribe ware, arrangierte ich einen Besuch bei Takuya Kanamoto in seinem Zuhause und Atelier in Nara – einer stillen Stadt, nur eine Zugfahrt von Kyoto entfernt und tief in der Tradition der Teezeremonie verwurzelt.

Oribe, ein Stil, der erstmals in den 1600er Jahren entwickelt wurde, ist bekannt für seine lebhaften grünen Kupferglasuren, asymmetrischen Formen und spontanen Pinselführungen. Doch Takuyas Interpretation wirkt auf einzigartige Weise lebendig. Die grüne Glasur fließt über skulpturale Formen wie Regen auf moosigem Stein, mit Schichten aus Glanz und Textur, die sich zu bewegen scheinen, wenn das Licht sich verändert.

Seine Technik –kurinuki, das Herausarbeiten aus massiven Tonblöcken – verleiht jedem Stück eine natürliche Schwere und Struktur. Die Arbeiten erinnern oft an kleine Landschaften: Schalen wie Waldtümpel, Vasen wie fallendes Wasser. Ihre Schönheit ist nicht ornamental – sie ist elementar.

Dieser Besuch hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Beim Matcha-Trinken aus einem seiner Chawan enthüllte das Zusammenspiel von Grün auf Grün mit jedem Blick eine neue Geschichte.

„Ich verwende grüne Glasur auf unebener, klumpiger Tonmasse. Mir liegt der Ausdruck des Tons am Herzen, der durch das Herausschälen aus Tonklumpen entsteht (Kurinuki). Ich möchte Werke schaffen, die eine Lebendigkeit besitzen – geführt von der Bewegung des Tons."

(frei übersetzt aus dem japanischen Original vonTakuya Kanamoto

Kurze Biografie

  • 1974: geboren in Nara
  • 1998: Abschluss an der Ryukoku University, anschließend Ausbildung in der Präfektur Mie
  • 2001: Abschluss am Aichi Prefectural Ceramics Technical College
  • 2003: Gründung seines eigenen Ateliers in Nara
  • Seit 2003 entstehen keramische Arbeiten

Kurinuki, Meeresmuscheln und Kupferglasur

Takuya Kanamoto setzt verschiedene Techniken ein, die seinen Arbeiten Leben einhauchen. Alle Sado-Stücke werden in der Kurinuki-Technik gefertigt: Die Teeschalen und Sake-Becher werden aus einem massiven Tonblock herausgearbeitet – ein Prozess, der dem Herstellen einer Raku Chawan ähnelt. Diese Technik ist nicht nur zeitaufwändiger, sondern erzeugt im Vergleich zum traditionellen Töpfern auf der Scheibe einzigartige und unregelmäßige Ergebnisse.

Das seitliche Brennen der Stücke auf Meeresmuscheln als Brennunterlage schafft zusätzliche einzigartige Effekte: Das Salz in den Muscheln verbrennt im Ofen und erzeugt rotbraune Aufhellungen auf dem unglasierten Ton (ähnlich dem Soda-Brennverfahren); die verlaufende Glasur folgt der Schwerkraft und bildet Tropfen, die an den berühmten Holzbrand-Ascheglasureffekt „Auge der Libelle" erinnern. Trotz des Brennens im Elektroofen verleihen diese Techniken jedem Stück eine künstlerische Note und eine eigene Seele.

Takuya arbeitet vorwiegend mitSteinzeug, das er imkurinuki-Verfahren von Hand ausschnitzt. Anschließend trägt er mehrere Schichtengrüner Oribe-Glasurauf und variiert dabei Schichtdicke und Brennbedingungen, um Tiefe, Kontrast und die unverwechselbare „Lebenskraft" seiner Oberflächen zu erzielen.

Diese traditionelle japanische Ästhetik ist nicht nur tief in der Geschichte der Teezeremonie verwurzelt, sondern spiegelt auch die natürlichen Rhythmen Japans wider – seine Wälder, Regenfälle und uralten Handwerkstraditionen.