Okumidori (奥みどり, „Tiefes Grün") ist der Cultivar, dem die meisten Matcha-Trinker näher sind als sie wissen. Er ist die Basis für die Premium-Sorten einiger der besten japanischen Matcha-Produzenten, darunter Marukyu Koyamaen, der Lieferant der Urasenke-Teeschule. Und sein Profil — naturell süß, tief umamig, wenig Bitterkeit — ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Züchtung und einer besonderen Pflanzencharakteristik.
Registrierung 1974: Was Okumidori genetisch ist
Okumidori wurde 1974 als offizieller Cultivar vom National Tea Research Institute (今の農研機構) in Japan registriert, unter der Selektionsnummer Saitama CD-34. Die Eltern-Kreuzung: Yabukita (der in Japan meistangebaute Cultivar) als Mutter und ein unbenannter Genotyp als Vater.
Das Ergebnis der Kreuzung ist ein Cultivar, der das beste aus beiden Welten kombiniert: die Robustheit und hohe Produktion von Yabukita, aber mit einem höheren Theaningehalt, tieferem Chlorophyll und einer natürlichen Süße, die Yabukita in dieser Form nicht hat. Okumidori-Pflanzen enthalten typischerweise 50–60 mg Theanin pro Gramm Trockengewicht — signifikant mehr als die 30–40 mg, die für durchschnittliche Yabukita-Tencha angegeben werden.
Der Late-Budder-Vorteil: Warum Spät gut ist
Okumidori bricht 7–14 Tage später als Yabukita — der Austrieb der Knospen in der Frühjahrssaison erfolgt später. In der japanischen Teeproduktion ist das kein Nachteil, sondern oft ein Vorteil: Spät austreibende Cultivars vermeiden das Frostrisiko des frühen Aprils.
Japanische Frühjahrsfröste — besonders in den Berglagen von Nara, Mie und Shiga — können den ersten Austrieb von Frühkultivars zerstören. Yabukita treibt früh aus und ist verwundbar; Okumidori treibt nach dem letzten Frost aus und erlebt die Knospe meist unbeeinträchtigt. Für Tencha-Produzenten ist das relevant: Ein einziger Spätfrost vernichtet die erste Ernte, die auch die qualitativ hochwertigste ist.
Das Counter-intuitive Detail: Weil Okumidori und Yabukita in verschiedenen Wochen erntereif sind, kann ein Teegarten mit beiden Cultivars parallel Yabukita-Sencha und Okumidori-Tencha für Matcha produzieren — aus demselben Boden, mit denselben Jahrgangs-Bedingungen, aber mit völlig verschiedenen Geschmacksprofilen. Zwei unterschiedliche Tees, eine Woche voneinander entfernt geerntet.
Das sensorische Profil: Woran man Okumidori erkennt
Okumidori hat ein erkennbares sensorisches Profil, das sich von anderen Cultivars unterscheidet — besonders im direkten Vergleich:
Versus Yabukita: Mehr Süße, mehr Umami-Tiefe, weniger Adstringenz. Yabukita-Matcha hat eine charakteristische Frische und Lebendigkeit, die leicht in Schärfe kippen kann; Okumidori ist glatter, runder, mit einem längeren, weichen Abgang.
Versus Saemidori: Saemidori (爽みどり, „Frisches Grün") ist ebenfalls süß und ist für Gyokuro bekannt — aber etwas blumiger, leichter als Okumidori. Okumidori ist bei gleicher Qualität körperreicher und dichtere im Profil.
Versus Gokou: Gokou (御煎, alte Uji-Cultivar) hat die tiefste Komplexität und die stärkste umami-Intensität — Okumidori ist zugänglicher, weniger intensiv, für breiteres Publikum geeignet.
Marukyu Koyamaen und die Okumidori-Entscheidung
Dass Marukyu Koyamaen ihre Premium-Grades (Soju, Meiju, Oju) auf Okumidori-Basis aufbaut, ist eine bewusste Qualitätsentscheidung — und eine mit Konsequenzen für die Produktkommunikation. Wenn der Cultivar deklariert wird, bedeutet das: Der Produzent kann und will spezifisch sein. Er ist nicht auf einen undefinierten Blend angewiesen.
Unsere Single-Cultivar-Matcha-Kollektion zeigt, was Cultivar-Transparenz in der Praxis bedeutet. Für Käufer ist Cultivar-Deklaration ein Qualitätssignal: Wer sagt, welcher Cultivar es ist, hat die Kontrolle über den Prozess. Wer das nicht sagt, verkauft möglicherweise ein Blend aus verschiedenen Ernten und Quellen, das unter einem generischen „Premium"-Label läuft.
Okumidori für Gyokuro: Derselbe Cultivar, zwei Welten
Okumidori wird nicht nur für Matcha verwendet. Die Produktionshintergründe aus Nishio — einer der wichtigsten Okumidori-Anbauregionen — beschreibt unser Artikel im Detail. In Yame (Fukuoka) — der Premium-Gyokuro-Region — bauen einige Produzenten Okumidori auch als Gyokuro-Cultivar an. Das Ergebnis: ein Gyokuro mit ungewöhnlicher Süße und einer Umami-Tiefe, die über das Profil von Standard-Yabukita-Gyokuro hinausgeht.
Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie ein Cultivar durch verschiedene Verarbeitungsmethoden völlig unterschiedliche Tees erzeugen kann. Okumidori-Tencha (flat-dried, stone-ground) wird Matcha — probieren Sie unseren Okumidori Nishio oder Okumidori Kagoshima. Okumidori mit Schattierung und Rollprozess wird Gyokuro. Derselbe Cultivar, dieselbe Farm, zwei verschiedene Verarbeitungsketten — zwei fundamental verschiedene Geschmackswelten.
Das ist der Grund, warum Cultivar-Wissen in der Teewelt so relevant ist: Es erklärt Unterschiede, die man im Glas schmeckt, aber ohne dieses Wissen nicht zuordnen kann.
